Netzentgelte senken: Warum Flexibilität und Großbatteriespeicher für Industrieunternehmen immer wichtiger werden
Warum Netzentgelte entscheidend für Ihre Energiekosten sind
Steigende Strompreise stehen häufig im Mittelpunkt der Diskussion, wenn es um Energiekosten in der Industrie geht. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Bei vielen energieintensiven Unternehmen entscheidet längst nicht mehr allein der Energiepreis über die Wirtschaftlichkeit der Energieversorgung. Netzentgelte, Lastspitzen und die Fähigkeit, den eigenen Stromverbrauch flexibel zu steuern, entwickeln sich zu zentralen Kostentreibern.
Für Energiemanager entsteht dadurch eine neue Herausforderung. Wer Energiekosten nachhaltig senken möchte, muss nicht nur den Energieeinkauf optimieren, sondern die gesamte Energienutzung am Standort betrachten. Genau hier kommen Flexibilität, Peak Shaving und Großbatteriespeicher ins Spiel.
Während wir in unserem Beitrag Erzeugung richtig dimensionieren gezeigt haben, warum die richtige Dimensionierung von Photovoltaik, Elektrifizierung und Energiesystemen entscheidend ist, geht es nun um die Frage, wie sich erzeugte und bezogene Energie möglichst wirtschaftlich nutzen lässt.
Gerade bei energieintensiven Unternehmen entstehen dadurch Einsparpotenziale, die in klassischen Energiebeschaffungsstrategien oft unberücksichtigt bleiben.
Warum Netzentgelte für viele Unternehmen zum versteckten Kostentreiber werden
Viele Unternehmen kennen ihren Strompreis bis auf die dritte Nachkommastelle, beschäftigen sich jedoch deutlich weniger mit ihrer Netzentgeltstruktur. Dabei machen Netzentgelte häufig einen erheblichen Anteil der gesamten Stromkosten aus. Je nach Lastprofil und Leistungsbedarf können sie jährlich Kosten in sechs- oder sogar siebenstelliger Höhe verursachen. Der Grund dafür liegt in der Systematik vieler Netzabrechnungen: Nicht nur die verbrauchte Energiemenge spielt eine Rolle, sondern auch die maximale Leistung, die das Unternehmen aus dem Netz bezieht. Eine einzelne Lastspitze kann die Energiekosten deshalb deutlich stärker beeinflussen als viele tausend Kilowattstunden Verbrauch.
Für Energiemanager bedeutet das:
Die wirtschaftlichste Kilowattstunde ist nicht zwangsläufig die günstig eingekaufte Kilowattstunde. Oft ist es die Kilowattstunde, die dabei hilft, Lastspitzen zu vermeiden und Netzkosten zu reduzieren.
Netzentgelte senken beginnt mit dem Verständnis des Lastprofils
Die Grundlage jeder Optimierungsstrategie ist Transparenz. Unternehmen sollten zunächst verstehen,
- wann Lastspitzen entstehen
- welche Verbraucher dafür verantwortlich sind
- wie häufig diese Spitzen auftreten
- und ob sich die Lasten zeitlich verschieben lassen
Erst diese Analyse zeigt, welche Maßnahmen tatsächlich wirtschaftlich sind. In der Praxis zeigt sich häufig, dass einzelne Prozesse, Maschinenanläufe oder Ladevorgänge für einen Großteil der Leistungsspitzen verantwortlich sind. Diese Spitzen entstehen oft nur wenige Minuten im Jahr, beeinflussen aber die Kostenstruktur des gesamten Standorts.
Deshalb wird die Analyse von Lastgängen zunehmend zu einem zentralen Werkzeug moderner Energiemanager.
Peak Shaving: Eine der effektivsten Maßnahmen zur Senkung von Netzentgelten
Was ist Peak Shaving?
Peak Shaving bezeichnet die gezielte Reduzierung von Lastspitzen im Stromverbrauch. Dabei werden besonders hohe Leistungsabrufe begrenzt oder kurzfristig durch alternative Energiequellen ausgeglichen. Ziel ist es, die maximale Netzlast zu reduzieren und dadurch netzbezogene Kosten zu senken. Für viele Unternehmen gehört Peak Shaving inzwischen zu den wirtschaftlich attraktivsten Hebeln innerhalb des Energiesystems.
Wie funktioniert Peak Shaving in der Industrie?
Ein typisches Beispiel: Mehrere energieintensive Prozesse laufen gleichzeitig an. Dadurch steigt die Leistungsaufnahme des Standorts kurzfristig stark an. Anstatt diese Leistung vollständig aus dem öffentlichen Netz zu beziehen, kann ein Batteriespeicher die fehlende Energie bereitstellen. Die Lastspitze wird abgeschnitten, ohne die Produktion zu beeinflussen. Aus Sicht des Netzes entsteht eine deutlich geringere Spitzenlast.
Aus Sicht des Unternehmens sinken die energierelevanten Kosten.
Ein typisches Beispiel: Mehrere energieintensive Prozesse laufen gleichzeitig an. Dadurch steigt die Leistungsaufnahme des Standorts kurzfristig stark an.
Anstatt diese Leistung vollständig aus dem öffentlichen Netz zu beziehen, kann ein Batteriespeicher die fehlende Energie bereitstellen. Die Lastspitze wird abgeschnitten, ohne die Produktion zu beeinflussen. Aus Sicht des Netzes entsteht eine deutlich geringere Spitzenlast. Aus Sicht des Unternehmens sinken die energierelevanten Kosten. Je höher die Leistungsspitzen und je häufiger sie auftreten, desto größer wird in vielen Fällen der wirtschaftliche Nutzen.
Warum Großbatteriespeicher weit mehr können als Solarstrom speichern
Lange Zeit wurden Batteriespeicher hauptsächlich als Ergänzung für Photovoltaikanlagen betrachtet. Dieses Verständnis greift mittlerweile deutlich zu kurz. Ein moderner Großbatteriespeicher übernimmt mehrere Aufgaben gleichzeitig:
- Er erhöht den Eigenverbrauch selbst erzeugter Energie.
- Er unterstützt das Peak Shaving.
- Er schafft Flexibilität im Energieverbrauch.
- Er verbessert die Nutzung vorhandener Netzkapazitäten.
- Er kann verschiedene Optimierungsstrategien innerhalb des Energiesystems unterstützen.
Dadurch entwickelt sich der Speicher von einer technischen Komponente zu einem wirtschaftlichen Steuerungsinstrument. Besonders energieintensive Unternehmen profitieren davon, weil dort bereits kleine Verbesserungen erhebliche Auswirkungen auf die jährlichen Energiekosten haben können.
Praxisbeispiel: Großbatteriespeicher senkt Energiekosten bei Kunststoffunternehmen aus Melle
Wie groß der Hebel von Flexibilität und Speichern sein kann, zeigt unser Projekt beim Hersteller von Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff, der seit Jahren mit volatilen Strompreisen zu kämpfen hat. Am Standort wurde ein integriertes Energiesystem mit Photovoltaik und Großbatteriespeicher umgesetzt. Zum Einsatz kommen dabei 10,2 MWp Photovoltaikleistung und ein 6,1 MWh Batteriespeicher.
Für einen Produktionsstandort mit einem Stromverbrauch von rund 30 GWh pro Jahr schafft der Speicher zusätzliche Flexibilität im Energiesystem. Gleichzeitig unterstützt er die Optimierung der Energieflüsse und trägt dazu bei, Energiekosten nachhaltig zu reduzieren. Das Ergebnis: über 740.000 Euro jährliche Einsparungen und eine Reduktion der durchschnittlichen Stromkosten um mehr als 30 Prozent. Das Projekt verdeutlicht, warum Großbatteriespeicher heute weit mehr sind als eine Ergänzung zur Photovoltaik. Sie werden zunehmend zu einem zentralen Baustein, um Eigenverbrauch zu erhöhen, Lastspitzen zu reduzieren und die Wirtschaftlichkeit des gesamten Energiesystems zu verbessern.
Das Energieprojekt auf einen Blick:
- Branche: Kunststoffindustrie
- Stromverbrauch: 30 GWh/Jahr
- PV-Leistung: 10,2 MWp
- Batteriespeicher: 6,1 MWh
- Jährliche Einsparung: > 740.000 €
- Stromkostenreduktion: > 30 %
Der wirtschaftliche Wert von Flexibilität nimmt deutlich zu
In den vergangenen Jahren wurde Flexibilität häufig als zusätzlicher Vorteil betrachtet. Heute entwickelt sie sich zunehmend zu einer eigenständigen wirtschaftlichen Ressource. Je besser Unternehmen ihren Verbrauch anpassen, verschieben oder steuern können, desto mehr Möglichkeiten entstehen zur Optimierung der Energieversorgung. Das betrifft unter anderem:
- Produktionsprozesse
- Ladeinfrastruktur
- Wärmeerzeugung
- Kälteanwendungen
- Speicherbetrieb
- sowie die Nutzung selbst erzeugter Energie.
Flexibilität ermöglicht es Unternehmen, auf Marktbedingungen zu reagieren, Energie effizienter einzusetzen und die vorhandene Infrastruktur besser auszunutzen.
Warum Speicher, Photovoltaik und Elektrifizierung gemeinsam geplant werden sollten
Ein häufiger Fehler besteht darin, einzelne Komponenten isoliert zu betrachten, getrennt voneinander zu planen und nacheinander zu realisiert werden. Dadurch wird das wirtschaftliche Potenzial häufig nicht vollständig ausgeschöpft. Erfolgreiche Industrieunternehmen betrachten dagegen das gesamte Energiesystem.
Dazu gehören:
- Photovoltaik
- Großbatteriespeicher
- Ladeinfrastruktur
- Elektrifizierung
- Lastmanagement
- Strukturierte Strombeschaffung
- sowie die intelligente Steuerung sämtlicher Energieflüsse.
Erst das Zusammenspiel dieser Komponenten schafft die Grundlage für dauerhaft niedrige Energiekosten.
Welche Rolle spielt die AGNES-Reform für Energiemanager?
Zusätzliche Bedeutung erhält das Thema durch die geplante AGNES-Reform der Netzentgelte. Unabhängig von den finalen regulatorischen Details zeigt die Diskussion bereits heute eine klare Richtung: Die Bedeutung von Flexibilität, Speichertechnologien und einem professionellen Kapazitätsmanagement nimmt zu.
Unternehmen mit transparenten Energiedaten, steuerbaren Lasten und intelligenten Energiesystemen schaffen sich dadurch zusätzliche Handlungsspielräume für die kommenden Jahre. Für Energiemanager wird es deshalb immer wichtiger, Energiekosten nicht isoliert über den Strompreis zu betrachten, sondern als Zusammenspiel aus Verbrauch, Erzeugung, Speicher, Flexibilität und Netzkosten.
Warum Sie sich schon heute mit dem Thema auseinandersetzen sollten, erfahren Sie in unserem Webcast.
Von der Kostenoptimierung zum intelligenten Energiesystem
Viele Unternehmen investieren zunächst in einzelne Maßnahmen und erwarten unmittelbare Einsparungen. Der größte wirtschaftliche Effekt entsteht jedoch meist dann, wenn verschiedene Hebel miteinander kombiniert werden.
Ein Beispiel:
- Die PV-Anlage produziert günstigen Strom.
- Der Großbatteriespeicher erhöht den Eigenverbrauch.
- Peak Shaving reduziert Lastspitzen.
- Flexible Verbraucher nutzen Energie gezielt.
- Das Energiemanagement koordiniert alle Energieflüsse.
In Summe entsteht ein System, das deutlich wirtschaftlicher arbeitet als jede Einzelmaßnahme für sich allein. Genau deshalb gewinnen integrierte Energiesysteme zunehmend an Bedeutung.
Fazit: Wer Netzentgelte senken möchte, muss Flexibilität schaffen
Die Bedeutung von Netzentgelten wird in vielen Unternehmen noch unterschätzt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an eine wirtschaftliche Energieversorgung kontinuierlich. Peak Shaving, Flexibilisierung und Großbatteriespeicher gehören deshalb längst nicht mehr zu optionalen Zusatzlösungen. Sie entwickeln sich zu zentralen Bestandteilen moderner Energiesysteme. Für Energiemanager entsteht dadurch eine wichtige Aufgabe: Die Energieversorgung nicht mehr ausschließlich aus Sicht des Energieeinkaufs zu betrachten, sondern das gesamte Zusammenspiel von Erzeugung, Verbrauch, Speicher und Netzkosten zu optimieren.
Genau in diesem Zusammenspiel liegen häufig die größten Einsparpotenziale.