Lastspitzenkappung (Peak Shaving)
Berechnung und strategische Bedeutung für Industrieunternehmen
Was ist Lastspitzenkappung und warum entstehen Lastspitzen in der Industrie?
Lastspitzenkappung oder auch Peak Shaving beschreibt die gezielte Reduktion kurzfristiger, hoher Lastspitzen, um die vertraglich relevante Höchstlast und damit die Leistungspreise zu senken. Lastspitzen sind kurzzeitige, starke Leistungszunahmen, wenn mehrere energieintensive Verbraucher gleichzeitig oder unkoordiniert laufen – häufig beim Anfahren von Maschinen, Schichtwechseln oder Produktionsspitzen. Diese Spitzen bestimmen die maßgebliche Höchstlast eines Unternehmens und damit die jährlichen Leistungspreise, die einen wesentlichen Kostenfaktor im Strombezug von Industrieunternehmen darstellen.
Je nach Netzgebiet liegen Leistungspreise beispielsweise bei 167 €/kW – weshalb die Verringerung der Spitzenlast signifikante Einsparungen ermöglicht.

Wie funktioniert Lastspitzenkappung
Lastspitzenkappung bezeichnet eine technische Maßnahme, Lastspitzen über Großbatteriespeicher oder Lastmanagement zu reduzieren, um Stromkosten langfristig zu senken und Netzbelastungen zu reduzieren. In der Industrie erfolgt Peak Shaving typischerweise über Batteriespeicher, die Energie während einer Spitzenlastphase nutzen und dadurch die Leistungsspitze abfangen.
1. Messung & Prognose
Eine intelligente Software erkennt ansteigende Lasten und prognostiziert Spitzen. Einfache Energiemanagementsysteme reichen hier nicht aus.
2. Speicherentladung / Lastverschiebung
3. Senkung der vertraglichen Höchstlast
Durch die Reduktion kurzfristiger Lastspitzen sinkt der relevante kW‑Wert, welcher für die Berechnung des Leistungspreises herangezogen wird.
Industriespeicher als Schlüsseltechnologie
Großbatteriespeicher zählen heute zu den effizientesten und wirtschaftlichsten Technologien zur Lastspitzenkappung. Für eine wirksame Reduktion müssen sie eine ausreichend hohe Leistung bereitstellen („Batteriespeicher benötigen eine hohe Leistung“) und genügend Kapazität vorhalten („Kapazitätsvorhaltung ist notwendig, um die Lastspitze effektiv zu reduzieren“).
Lastspitzenkappung ist auch Teil von Multi‑Use‑Speicherstrategien wie zudem:
- Eigenverbrauchserhöhung
- Spotmarktoptimierung
- Atypische Netznutzung (HLZF-Optimierung)

Welche Vorteile bietet Lastspitzenkappung?
1. Massive Reduktion der Stromkosten
Durch die gezielte Absenkung kurzfristiger Lastspitzen sinkt der Leistungspreis, der in vielen Industrieprofilen einen der größten Kostenblöcke im Strombezug darstellt. Die Reduktion der vertraglich relevanten Höchstlast führt unmittelbar zu geringeren Netzentgelten.
2. Reduktion der Netzentgelte
In Verbindung mit Batteriespeichern und gezielter Lastverschiebung kann ein Unternehmen die Voraussetzungen für die atypische Netznutzung (ATN) erfüllen. Dadurch sind Netzentgeltreduzierungen von bis zu 80 % möglich – abhängig vom individuellen Lastprofil und der regionalen Netzsituation.
3. Entlastung des Stromnetzes
Lastspitzen belasten das Netz besonders stark. Peak Shaving trägt zur Netzstabilität bei und reduziert den Bedarf an teurem Netzausbau.
4. Steigerung der Betriebssicherheit
Stromspitzen führen oft zu Spannungseinbrüchen oder Ausfällen. Das Glätten reduziert technische Risiken.
Berechnung der Lastspitzenkappung
Die Berechnung stützt sich auf mehrere interne sowie externe Daten und zeigt deutlich, welches Potenzial zur Energiekostensenkung allein durch das Kappen von Lastspitzen ermöglicht wird:
- aktuelle maximale Spitzenlast (kW)
- mögliche Reduktion durch Speicher (kW)
- regionaler Leistungspreis (€/kW)
- Speicherleistung & -kapazität (kW / kWh)
- Speichereinsatzdauer (min)
Die folgende Beispielrechnung zeigt das große Potenzial der Lastspitzenkappung:
Reduktion der Spitzenlast um 200 kW × 167 €/kW = 33.400 € Einsparung pro Jahr (zuzüglich reduzierter Netzentgelte & weiterer Synergien).
Wann lohnt sich Lastspitzenkappung besonders?
Die genaue Betrachtung der Lastprofile sowie der externen Daten ist entscheidend für eine wirtschaftliche Entscheidung, dennoch gibt es klare Indikatoren, die für Lastspitzenkappung sprechen.
- bei hohen Leistungspreisen (z. B. >150 €/kW)
- bei stark schwankenden oder schwer prognostizierbaren Lastprofilen
- bei Produktion mit Energiepulsen (Fräsen, Pressen, Schmelzen, Kälteanlagen)
- wenn ein Energiespeicher bereits vorhanden ist oder geplant wird
- bei hohen Netzentgelten
